Monografie des Edellorbeers

Monografie des Edellorbeers

Edel-Lorbeer

Identifikation und Botanik der Pflanze

  • Lateinischer botanischer Name: Laurus nobilis L.
  • Chemotyp (CT): 1,8-Cineol, Linalool, Terpenylacetat
  • Botanische Familie: Lauraceae (Lorbeergewächse)
  • Volksnamen: Edellorbeer, Apollonlorbeer, Oleander, Echter Lorbeer.
  • Destillierter Pflanzenteil: Blätter
  • Geographische Herkunft: Hauptsächlich der Mittelmeerraum (Frankreich, Spanien, Marokko, Kroatien, Türkei).

Merkmale des ätherischen Öls

Gewinnungsmethode: Vollständige Destillation durch Mitreißen mit Wasserdampf.

Organoleptische Merkmale:

  • Aussehen: Sehr flüssige und bewegliche Flüssigkeit.
  • Farbe: Farblos bis grünlich blassgelb.
  • Geruch: Frisch, kräftig, würzig, cineolisch und camphräisch, mit einer leicht bitteren und edlen Basisnote.

Physikalisch-chemische Eigenschaften (zur Orientierung):

  • Relative Dichte (bei 20°C): 0.905 bis 0.925
  • Brechungsindex (bei 20°C): 1.465 bis 1.475
  • Drehkraft: -10° bis -22°
  • Flammpunkt: >55°C

Detaillierte biochemische Zusammensetzung

Die Zusammensetzung kann je nach Herkunft und Erntezeit leicht variieren. Ein typisches chromatographisches Profil (GC/MS) zeigt:

  • Terpenoxide (35-55%):
    • 1,8-Cineol (Eukalyptol): überwiegend, verantwortlich für die schleimlösenden und antiviralen Eigenschaften.
  • Monoterpenole (10-20%):
    • Linalool, a-Terpineol: verleihen antibakterielle, antimykotische und nervenregulierende Eigenschaften.
  • Terpenester (8-15%):
    • Terpenylacetat: trägt zu einer krampflösenden und beruhigenden Wirkung bei.
  • Monoterpene (10-15%):
    • a-Pinen, ß-Pinen, Sabinen: antiseptische Wirkung in der Luft.
  • Phenole:
    • Methyl-Eugenol (meist < 5%)
    • Eugenol (meist < 3%)
  • Sesquiterpenlactone (Spuren):
    • Costunolid, Laurenobiolid: können für allergische Hautreaktionen verantwortlich sein.

Therapeutische Eigenschaften und Indikationen

Hauptmerkmale:

  • Allround-Anti-Infektionsmittel: wirkt stark antibakteriell, antiviral und antimykotisch.
  • Expektorierend und mukolytisch: verflüssigt den Schleim und fördert sein Abhusten.
  • Beachtliches Analgetikum und Antineuralgetikum: lindert Schmerzen, insbesondere Gelenk-, Muskel- und Zahnschmerzen.
  • Regulierend auf das Nervensystem: ausgleichend, fördert das Selbstvertrauen und die Konzentration.
  • Antispasmodisch.
  • Hautstärkend und adstringierend.

Anwendungen und Wirkungsbereiche:

  • HNO- und Atmungsbereich: Grippe, Bronchitis, Sinusitis, Schnupfen, virale Wintererkrankungen.
  • Schmerzen und Rheumatologie: Arthritis, Rheuma, Polyarthritis, Neuralgien, Muskelschmerzen und Krämpfe.
  • Mund- und Zahnpflege: Aphten, Zahnfleischentzündungen, Zahnabszesse (äußerlich lokal angewendet), Mundgeruch.
  • Hautpflege: Akne, Furunkel, Hautpilz, fettige Haut.
  • Nervensystem und psycho-emotionales System: Angst, mangelndes Selbstvertrauen, Vorbereitung auf Prüfungen oder Wettkämpfe (hilft bei der Konzentration und Stressbewältigung).

Daten zur Sicherheit und Toxikologie

Toxizität: Niedrig bei den empfohlenen physiologischen Dosen.

Strenge Gegenanzeigen:

  • Schwangere und stillende Frauen.
  • Kinder unter 6 Jahren (wegen des hohen Gehalts an 1,8-Cineol Gefahr von Kehlkopfkrämpfen bei Säuglingen).
  • Personen mit Asthma (vor allem bei reiner Inhalation oder Diffusion) und Epileptiker.

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung:

  • Risiko der Hautsensibilisierung: Kann bei empfindlichen Personen aufgrund der enthaltenen Lactone Hautallergien auslösen. Immer 24 Stunden vor der Anwendung einen Hauttest in der Ellenbeuge durchführen.
  • Hautreizung (Dermokaustizität): Von einer reinen Anwendung auf der Haut wird abgeraten. Für die Anwendung auf der Haut ist eine Verdünnung mit einem Pflanzenöl erforderlich.
  • Orale Anwendung: Nur auf Verschreibung einer zugelassenen medizinischen Fachkraft.
  • Direkten Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden.
  • Allergene biochemische Bestandteile (gemäß EG-Kosmetikverordnung Nr. 1223/2009): Linalool, Limonen, Eugenol.

Verabreichungswege, Dosierung und Verwendung

Hautweg (bevorzugt):

  • Lokale Schmerzen (Arthritis, Neuralgie): 3 bis 5 Tropfen ätherisches Öl in 10 Tropfen Pflanzenöl (z.B. Arnikaölmazerat) verdünnen und den schmerzenden Bereich 3 Mal täglich massieren.
  • Atemwegserkrankungen: 10-20% in einem Pflanzenöl verdünnen und Brustkorb, oberen Rücken und Fußsohlen massieren.
  • Akne: 1 Tropfen auf einem Wattestäbchen sehr lokal auf den Pickel auftragen, nachdem ein Empfindlichkeitstest durchgeführt wurde.

Orale Anwendung:

Nur auf ärztlichen oder pharmazeutischen Rat.

Atmosphärische Verbreitung:

  • Ein paar Tropfen in einem Diffusor für 15-20 Minuten, um die Luft zu reinigen oder die Konzentration zu fördern.
  • Nicht in einem Kinderzimmer verbreiten.

Inhalation:

Trockeninhalation: 1-2 Tropfen auf einem Taschentuch tief einatmen bei verstopfter Nase oder Konzentrationsbedarf.

Beispiele für Synergien:

  • HNO-Infektionen: mit Eucalyptus radiata, Ravintsara.
  • Schmerzen: mit Gaultheria procumbens, Eucalyptus citriodora.
  • Mykosen: mit Teebaum, Palmarosa.

Regulatorische Aspekte und Qualität

CAS-Nummer: 84603-73-6

Empfohlene Qualitätslabels:

  • HEBBD: Botanisch und biochemisch definiertes ätherisches Öl.
  • HECT: Chemotypisches ätherisches Öl.
  • Öle aus biologischem Anbau (AB-Siegel, Ecocert) bevorzugen.

Referenzbibliographie: Die Informationen in diesem Merkblatt basieren auf Standardwerken der wissenschaftlichen Aromatherapie (z.B. P. Franchomme, D. Baudoux, M. Faucon).

>

Warnhinweis: Diese Monografie ist für Angehörige der Gesundheitsberufe bestimmt. Die in ihr enthaltenen Informationen sind kein Ersatz für eine ärztliche Beratung. Die Verwendung von ätherischen Ölen zu therapeutischen Zwecken erfordert einen ärztlichen Rat.

Zurück zum Blog